Abgrenzung von Einkommen und Vermögen

Für die Abgren­zung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen stellt das Datum der Antrag­stel­lung die maß­geb­li­che Zäsur dar. Dabei ist eine tage­wei­se Berück­sich­ti­gung ohne wei­te­re Unter­tei­lung nach der tat­säch­li­chen zeit­li­chen Abfol­ge von Zufluss und Antrag­stel­lung inner­halb des maß­geb­li­chen Tages gebo­ten (Tages­prin­zip).

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BSG ist für die Abgren­zung, ob Zuflüs­se als Ver­mö­gen oder Ein­kom­men ein­zu­ord­nen sind, allein der Zeit­punkt der Antrag­stel­lung gemäß § 37 SGB II maß­geb­lich; Ein­kom­men im Sin­ne des §§ 11 Abs. 1 SGB II ist danach grund­sätz­lich alles das, was jemand nach Antrag­stel­lung wert­mä­ßig dazu erhält und Ver­mö­gen das, was er vor Antrag­stel­lung bereits hat­te 1. Zutref­fend fol­gert das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt in sei­ner Ent­schei­dung vom 26.01.2012 aus der Rege­lung in § 41 SGB II über die Berech­nung der Leis­tun­gen, dass eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den ein­zel­nen Stun­den des Antrags­ta­ges wie­der­um nicht statt­haft ist 2.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt betrach­tet in sei­ner Recht­spre­chung die Rege­lung des § 41 Abs. 1 Satz 1 SGB II als nor­ma­ti­ven Anhalts­punkt dafür, dass der Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts für jeden Kalen­der­tag besteht, wes­halb ein Kalen­der­tag damit die kleins­te im Gesetz vor­ge­se­he­ne zeit­li­che Ein­heit ist, für die Ansprü­che auf Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt bestehen und ent­spre­chen­de Leis­tun­gen bemes­sen wer­den kön­nen 3. Hier­aus zieht das LSG Sach­sen-Anhalt dann den zutref­fen­den Schluss, dass, wenn weder bei der Antrag­stel­lung am Monats­ers­ten noch im Lau­fe des Monats für die Leis­tungs­ge­wäh­rung und auch für die Berech­nung des Anspruchs eine klei­ne­re Ein­heit gebil­det wer­den kann, als der vol­le Tag, auch bei der Berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men am Tag der Antrag­stel­lung vom Tages­prin­zip aus­zu­ge­hen ist 4. Die­se sich bereits aus dem Gesetz erge­ben­de Rechts­fol­ge wird durch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung bestä­tigt. Bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 30.07.2008 hat das BSG aus­ge­führt, für die Abgren­zung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen stel­le das (Kalender-)Datum der Antrag­stel­lung die maß­geb­li­che Zäsur dar 5. Mit die­ser For­mu­lie­rung, wie auch der Benen­nung eines kon­kre­ten Datums hat sich das BSG auf die – vom Beklag­ten prak­ti­zier­te – tages­wei­se Berück­sich­ti­gung ohne wei­te­re Unter­tei­lung gemäß der tat­säch­li­chen zeit­li­chen Abfol­ge inner­halb des maß­geb­li­chen Tages fest­ge­legt.

Ange­sichts die­ser Ent­schei­dung geht das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg bereits von einer höchst­rich­ter­li­chen Klä­rung der Fra­ge, dahin­ge­hend, dass eine tage­wei­se Betrach­tungs­wei­se zu Grun­de zu legen ist, aus. Jeden­falls lie­fert die­se Ent­schei­dung zumin­dest aus­rei­chen­de Anhalts­punk­te, dass die kon­kret auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge in die­sem Sin­ne zu beant­wor­ten ist; eine Klä­rungs­be­dürf­tig­keit liegt damit nicht mehr vor 6. Auch das LSG Sach­sen-Anhalt ist in der genann­ten Ent­schei­dung davon aus­ge­gan­gen, dass die hier strei­ti­ge Rechts­fra­ge geklärt ist und hat von der Zulas­sung der Revi­si­on abge­se­hen 4. Eine Klä­rungs­be­dürf­tig­keit ergibt sich auch nicht unter dem Gesichts­punkt, dass vor­lie­gend nicht auf das Datum der Antrag­stel­lung, son­dern das­je­ni­ge der Auf­nah­me in die Bedarfs­ge­mein­schaft abzu­stel­len ist. In Hin­blick auf die Fra­ge der Berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men bzw. Ver­mö­gen steht nach § 9 Abs. 2 SGB II die Auf­nah­me in eine Bedarfs­ge­mein­schaft ohne vor­he­ri­gen Antrag in ihren Wir­kun­gen einem Leis­tungs­an­trag gemäß § 37 SGB II, jeden­falls in der bis zum 31.12.2010 anzu­wen­den­den Fas­sung, gleich.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2012 – L 13 AS 3565/​12 NZB

  1. st. Rspr., grund­le­gend BSG vom 30.07.2008 – B 14 AS 26/​07 R, SozR 4–4200 § 11 Nr. 17 und vom 30.09.2008 – B 4 AS 29/​07 R, SozR 4–4200 § 11 Nr. 15; ver­glei­che zuletzt BSG vom 06.10.2011 – B 14 AS 94/​10 R[]
  2. LSG Sach­sen-Anhalt vom 26.01.2012 – L 2 AS 192/​09[]
  3. BSG vom 02.07.2009, a.a.O., Rdnr. 16[]
  4. LSG Sach­sen-Anhalt a.a.O.[][]
  5. BSG a.a.O. – B 14 AS 43/​07 R[]
  6. Mey­er-Lade­wig a.a.O., § 160 Rdnr. 8[]