Getrennte Aufgabenwahrnehmung

Das Zwei­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch trennt bei den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de zwi­schen sol­chen Leis­tun­gen, die vom kom­mu­na­len Trä­ger, also dem Land­kreis oder der kreis­frei­en Stadt, zu erbrin­gen und den übri­gen, von der Bun­des­agen­tur für Arbeit zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen, § 6 SGB II.

Im Regel­fall erfolgt die Bear­bei­tung in einer vom kom­mu­na­len Trä­ger und der ört­li­chen Agen­tur für Arbeit gemein­sam gebil­de­ten Arbeits­ge­mein­schaft nach § 44 b SGB II. Für ins­ge­samt 69 Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te, die soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen, liegt die Zustän­dig­keit aus­schließ­lich bei dem jewei­li­gen kom­mu­na­len Träger.

Dane­ben besteht aber auch in eini­gen Regio­nen die Beson­der­heit, dass sich der jewei­li­ge kom­mu­na­le Trä­ger und die Agen­tu­ren ent­we­der nicht auf die Bil­dung einer Arbeits­ge­mein­schaft geei­nigt haben oder aber eine bestehen­de Arbeits­ge­mein­schaft vom kom­mu­na­len Trä­ger oder der Agen­tur für Arbeit wie­der auf­ge­kün­digt wurde.

In die­sen Fäl­len erbrin­gen die Agen­tur für Arbeit und der kom­mu­na­le Trä­ger die Ihnen jeweils oblie­gen­den Leis­tun­gen dann ihre Leis­tun­gen neben­ein­an­der (Getrenn­te Trägerschaft).

In eini­gen Regio­nen erfolgt die­se getrenn­te Bear­bei­tung wie bei einer Arbeits­ge­mein­schaft in einem gemein­sa­men Gebäu­de („Job­cen­ter”), dies ist jedoch in die­sen Fäl­len kei­ne Ein­rich­tung einer Arbeits­ge­mein­schaft, der Kom­mu­na­le Trä­ger und die Arbeits­ge­mein­schaft arbei­ten hier gleich­wohl orga­ni­sa­to­risch von­ein­an­der getrennt.

Wenn Sie also in einer die­ser Land­krei­se oder kreis­frei­en Städ­te mit getrenn­ter Auf­ga­ben­wahr­neh­mung leb­ten, war bis Ende 2011 der kom­mu­na­le Trä­ger und die Agen­tur für Arbeit jeweils für die Ihnen im SGB II zuge­wie­se­nen Leis­tun­gen zustän­dig, Sie sahen sich also in die­sen Regio­nen zwei Behör­den gegenüber:

Zuständigkeit des kommunalen Trägers

Zustän­di­ger kom­mu­na­ler Trä­ger der Leis­tun­gen nach dem SGB II sind die jewei­li­gen kreis­frei­en Städ­ten und die Land­krei­se, § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB II, soweit nicht durch Lan­des­recht ein ande­rer kom­mu­na­ler Trä­ger bestimmt ist. Der kom­mu­na­le Trä­ger ist im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de nach dem SGB II nur für bestimm­te, im SGB II im Ein­zel­nen auf­ge­führ­te Leis­tun­gen zustän­dig. Die­se umfassen:

  • Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung, § 22 SGB II
  • Leis­tun­gen, die nicht von der Regel­leis­tung umfasst sind, § 23 Abs. 3 SGB II: 
    • Erst­aus­stat­tun­gen für die Woh­nung ein­schließ­lich Haushaltsgeräten,
    • Erst­aus­stat­tun­gen für Beklei­dung und Erst­aus­stat­tun­gen bei Schwan­ger­schaft und Geburt sowie
    • mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men der schul­recht­li­chen Bestimmungen
  • Kom­mu­na­le Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen, § 16 a SGB II: 
    • die Betreu­ung min­der­jäh­ri­ger oder behin­der­ter Kin­der oder die häus­li­che Pfle­ge von Angehörigen,
    • die Schuld­ner­be­ra­tung,
    • die psy­cho­so­zia­le Betreuung,
    • die Sucht­be­ra­tung.

Zuständigkeit der Bundesagentur für Arbeit

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit, bzw. deren ört­li­che Agen­tur für Arbeit, ist für alle ande­ren Leis­tun­gen im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se zustän­dig, § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB II, also für alle Leis­tun­gen, die im Rah­men der Grund­si­che­rung nach dem SGB II nicht aus­drück­lich dem kom­mu­na­len Trä­ger zuge­wie­sen sind. Dies umfasst insbesondere:

  • Arbeits­lo­sen­geld II, § 19 SGB II, und Sozi­al­geld, § 28 SGB II, 
    • Regel­leis­tung zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts, § 20 SGB II,
    • Leis­tun­gen für Mehr­be­dar­fe beim Lebensunterhalt
  • Befris­te­ter Zuschlag nach dem Bezug von Arbeits­lo­sen­geld, § 24 SGB II,
  • Zusätz­li­che Leis­tung für die Schu­le, § 24 a SGB II,
  • Vor­schuss­leis­tun­gen bei medi­zi­ni­scher Reha­bi­li­ta­ti­on, § 25 SGB II
  • Auf den Arbeits­markt bezo­ge­ne Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit: 
    • Ein­stiegs­geld, § 16 b SGB II,
    • Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung von Selb­stän­di­gen, § 16 c SGB II,
    • Schaf­fung von Arbeits­ge­le­gen­hei­ten („1 € – Jobs”), § 16 d SGB II,
    • Leis­tun­gen zur Beschäf­ti­gungs­för­de­rung, § 16 e SGB II,
    • Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit, § 16 f SGB II,
  • Leis­tun­gen zur Sozialversicherung: 

Die getrenn­te Trä­ger­schaft ist infol­ge einer Geset­zes­än­de­rung seit 1. Janu­ar 2012 ört­lich nicht mehr anzutreffen,[1] da über­all nur noch Opti­ons­kom­mu­nen oder Gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen von Agen­tur und Kom­mu­ne arbeiten.

Nach­dem mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2012 die gesetz­li­chen Rege­lun­gen in den §§ 6, 6a, 6d, 44b SGB II ange­passt wur­den, fin­det sich seit­dem in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kei­ne Stadt bzw. kein Land­kreis mehr, in dem eine getrenn­te Trä­ger­schaft besteht. Seit­dem fin­den sich nur noch ent­we­der Job­cen­ter als gemein­sa­me Ein­rich­tung der Agen­tur für Arbeit und der Kom­mu­ne oder – bei Opti­ons­kom­mu­nen – Job­cen­ter in allei­ni­ger Trä­ger­schaft der jewei­li­gen Kom­mu­ne (Stadt oder Land­kreis).