Anrechnung von Kindergeld – und dessen Rückforderung

Zuge­flos­se­nes , wel­ches als Ein­kom­men auf die Bewil­li­gung von SGB II-Leis­tun­gen ange­rech­net wur­de, bleibt auch dann Ein­kom­men, wenn die Bewil­li­gung des es rück­wir­kend auf­ge­ho­ben wird (ver­glei­che BSG vom 23.8.2011 – B 14 AS 165/​10 R). Außer­halb der Rechts­be­zie­hun­gen zum Job­cen­ter kommt je nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les ein Erlass der Erstat­tungs­for­de­rung durch die Fami­li­en­kas­se in Betracht 1.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, dem das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung folgt, hat dies­be­züg­lich bereits ent­schie­den, dass maß­geb­lich der fak­ti­sche Zufluss ist und bleibt 2. Dem Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger stand das Ein­kom­men aus zur eige­nen Bedarfs­de­ckung zur Ver­fü­gung. Eine Ein­nah­me ist zunächst nichts ande­res als eine Ein­nah­me. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat in der zitier­ten Ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass die rück­wir­ken­de Auf­he­bung der Bewil­li­gung durch die Fami­li­en­kas­se nicht dazu führt, dass das im Zeit­punkt sei­nes Zuflus­ses (§ 2 Abs. 2 Satz 1 Alg II‑V) nicht als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen war. Die sich aus dem Auf­he­bungs- und Erstat­tungs­be­scheid der Fami­li­en­kas­se erge­ben­de Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung, die für die Bestim­mung der Hil­fe­be­dürf­tig­keit maß­geb­lich ist, tritt erst zukünf­tig ein 3. Der bestands­kräf­ti­ge Bescheid der Fami­li­en­kas­se hat des­halb im Ver­hält­nis zur Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) bzw. der gemein­sa­men Ein­rich­tung (Job­cen­ter) ledig­lich die Bedeu­tung, dass ein Hil­fe­be­dürf­ti­ger erst von die­sem Zeit­punkt an mit Schul­den belas­tet ist. Sol­che Ver­pflich­tun­gen sind aber grund­sätz­lich bei Bestim­mung der Hil­fe­be­dürf­tig­keit unbe­acht­lich. Die Gewäh­rung eines Son­der­be­darfs zur Deckung der Schul­den kommt nicht in Betracht 4.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat aller­dings in der genann­ten Ent­schei­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es für die sich aus der Geset­zes­kon­struk­ti­on erge­ben­den Här­ten Lösungs­mög­lich­kei­ten gibt; so kommt unter Umstän­den ein Erlass der Erstat­tungs­for­de­rung durch die Fami­li­en­kas­se in Betracht. Eine Bei­la­dung der Fami­li­en­kas­se war vor­lie­gend nach den Aus­füh­run­gen des BSG, denen das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg sich anschließt, nicht ange­zeigt, da die­se Fra­ge außer­halb der Rechts­be­zie­hun­gen der Klä­ger zum Job­cen­ter zu beant­wor­ten ist. Das BSG hat aus­ge­führt 5: Soweit die Klä­ger – sinn­ge­mäß – eine Här­te dar­in erken­nen, dass (ihr Vor­brin­gen als zutref­fend unter­stellt) die Über­zah­lung vor­lie­gend allein durch eine feh­ler­haf­te Arbeits­wei­se der BA ein­ge­tre­ten ist und die­ses feh­ler­haf­te Ver­wal­tungs­han­deln zu dem Zufluss von Ein­kom­men im Juli 2007 geführt hat, weist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dar­auf hin, dass sol­che Sach­ver­hal­te im Ver­hält­nis zum Leis­tungs­emp­fän­ger aus­schließ­lich bei einer Ent­schei­dung über den Erlass der aus dem Bescheid der BA begrün­de­ten Erstat­tungs­for­de­rung (vgl § 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV) Berück­sich­ti­gung fin­den 6.

Gegen­über der Fami­li­en­kas­se ist § 227 Halb­satz 1 AO die maß­geb­li­che Norm, wel­che lau­tet: „Die Finanz­be­hör­den kön­nen Ansprü­che aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis ganz oder zum Teil erlas­sen, wenn deren Ein­zie­hung nach Lage des ein­zel­nen Falls unbil­lig wäre; […]“. Jüngst hat auch der Bun­des­fi­nanz­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass gera­de bezüg­lich der Rück­for­de­rung von zu Unrecht gewähr­tem ein Bil­lig­keits­er­lass nach § 227 AO gerecht­fer­tigt sein kann, wenn das bei der Berech­nung der Höhe von SGB II-Leis­tun­gen als Ein­kom­men ange­setzt wor­den ist und eine nach­träg­li­che Kor­rek­tur der Leis­tun­gen nicht mehr mög­lich ist 7. Inso­weit dürf­te die Stel­lung eines Erlass­an­trags bei der Fami­li­en­kas­se nahe­lie­gend sein.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21. März 2012 – L 2 AS 5392/​11

  1. vgl. BFH vom 22.09.2011 – III R 78/​08[]
  2. BSG, Urteil vom 23.08.2011 – B 14 AS 165/​10 R; eben­so LSG Schles­wig-Hol­stein vom 25.05.2010 – L 3 AS 64/​10 B PKH[]
  3. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BSG vom 23.08.2011 a.a.O.[]
  4. BSG vom 23.08.2011 a.a.O.[]
  5. BSG vom 23.08.2011 – B 14 AS 165/​10 R[]
  6. vgl BSG SozR 3–4100 § 117 Nr 13 S 94[]
  7. BFH vom 22.09.2011 – III R 78/​08 = BFH/​NV 2012, 204[]