Beförderungskosten zum Sportgymnasium

Gibt es ande­re geeig­ne­te und näher gele­ge­ne Schu­len als ein Sport­gym­na­si­um, besteht für ein Job­cen­ter kei­ne Ver­pflich­tung, im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem skos­ten dort­hin zu über­neh­men.

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Schü­lers ent­schie­den, des­sen Beför­de­rungs­kos­ten zur Schu­le das Job­cen­ter nicht über­neh­men woll­te, weil er nicht die nächst­ge­le­ge­ne Schu­le des gewähl­ten Bil­dungs­gan­ges besucht. Der 2002 gebo­re­ne Klä­ger bezog als Mit­glied einer Bedarfs­ge­mein­schaft mit sei­nem Vater und sei­nen Geschwis­tern ergän­zen­de Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem . In der Nähe der Woh­nung befan­den sich in fuß­läu­fi­ger Ent­fer­nung zwei für ihn geeig­ne­te Gym­na­si­en. Er besuch­te aller­dings ein 3,6 km und über einen Fuß­weg von 45 Minu­ten erreich­ba­res Sport­gym­na­si­um. Die Schu­le ist vom Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund als „Eli­te­schu­le des Sports”, vom Deut­schen Fuß­ball­bund als „Eli­te­schu­le des Fuß­balls” und in den ein­zel­nen Sport­ar­ten von den Fach­ver­bän­den als Leis­tungs­stütz­punkt aner­kannt. Vor­aus­set­zung für die Auf­nah­me in den vom Klä­ger besuch­ten Sport­zweig ist ab der 7. Klas­se die Qua­li­fi­ka­ti­on als Leis­tungs­sport­ler. Nach­dem Beför­de­rungs­kos­ten zunächst durch die Wohn­ort­ge­mein­de über­nom­men wor­den waren, lehn­te die­se die Kos­ten­über­nah­me spä­ter ab, weil der Schul­weg nicht län­ger als 4 km und nicht beson­ders gefähr­lich sei. Die Kos­ten wur­den dann gegen­über dem beklag­ten Job­cen­ter gel­tend gemacht. Die­ses lehn­te die Über­nah­me ab, weil der Klä­ger nicht die nächst­ge­le­ge­ne Schu­le des gewähl­ten Bil­dungs­gan­ges besu­che, für die Beför­de­rungs­kos­ten nicht erfor­der­lich wären. Nach­dem die Kla­ge beim Sozi­al­ge­richt Spey­er erfolg­los war, ist Beru­fung zum Lan­des­so­zi­al­ge­richt ein­ge­reicht wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz aus­ge­führt, dass zwar eine Kos­ten­über­nah­me grund­sätz­lich mög­lich sei, weil der Schul­weg ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Job­cen­ters als gefähr­lich anzu­se­hen sei und Kos­ten daher auch bei einer Län­ge von weni­ger als 4 km über­nom­men wer­den könn­ten. Die Rege­lun­gen über die Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be dien­ten dazu, eine bega­bungs­ge­rech­te Schul­bil­dung und dadurch mit­tel­bar die Vor­be­rei­tung auf das Berufs­le­ben mit einer eigen­stän­di­gen Erar­bei­tung des Lebens­un­ter­hal­tes zu ermög­li­chen. Die Ent­schei­dung der Eltern, aus dem bestehen­den Ange­bot meh­re­rer Schu­len eines Bil­dungs­gan­ges für ihre Kin­der eine nei­gungs- und bega­bungs­spe­zi­fi­sche Vari­an­te aus­zu­wäh­len, müs­se daher grund­sätz­lich auch hin­sicht­lich dadurch ent­ste­hen­der skos­ten akzep­tiert wer­den. Aller­dings stel­le im Fall des Klä­gers die blo­ße Mög­lich­keit zur Aus­übung von Hoch­leis­tungs­sport kei­nen an den beson­de­ren Fähig­kei­ten ori­en­tier­ten eigen­stän­di­gen Bil­dungs­gang dar, wenn die eigent­li­che schu­li­sche Bil­dung in glei­cher Wei­se an ande­ren Schu­len erlangt wer­den kön­ne. Des­halb müss­ten Beför­de­rungs­kos­ten zum Sport­gym­na­si­um nicht über­nom­men wer­den.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 12. Mai 2015 – L 3 AS 7/​15