Der Besuch eines Deutschkurses

Erwerbs­fä­hi­ge Hil­fe­emp­fän­ger sind ver­pflich­tet, alle Mög­lich­kei­ten zur Been­di­gung oder Ver­rin­ge­rung ihrer Hil­fe­be­dürf­tig­keit aus­zu­schöp­fen. Die Beherr­schung der deut­schen Spra­che in Wort und Schrift ist unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für eine dau­er­haf­te Ein­glie­de­rung in Arbeit.

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Wies­ba­den es für rech­tens gehal­ten, dass ein Leis­tungs­emp­fän­ger nach dem SGB II, der nicht aus­rei­chend Deutsch spricht, einen Inte­gra­ti­ons­sprach­kurs zu besu­chen hat. Die 1968 gebo­re­ne, tür­ki­sche Klä­ge­rin ist Mut­ter von vier Kin­dern, die im maß­geb­li­chen Zeit­raum 6, 11, 16 und 18 Jah­re alt waren. Sie soll­te zur Ver­bes­se­rung ihrer deut­schen Sprach­kennt­nis­se ca. drei­mal wöchent­lich, vor­mit­tags zwi­schen 8.00 Uhr und 12.00 Uhr, einen Inte­gra­ti­ons­sprach­kurs bei der Volks­hoch­schu­le besu­chen. Da sie nicht bereit war, eine ent­spre­chen­de Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung zu unter­schrei­ben, erließ die Beklag­te einen die Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung erset­zen­den Ver­wal­tungs­akt. Die Klä­ge­rin hat sich aber nicht inner­halb der im Bescheid bestimm­ten Frist bei der Volks­hoch­schu­le für einen Inte­gra­ti­ons­sprach­kurs ange­mel­det. Das Job­cen­ter hat des­halb einen Sank­ti­ons­be­scheid erlas­sen, wonach die Regel­leis­tung der SGB II-Emp­fän­ge­rin für drei Mona­te um 30 Pro­zent, d.h. um 96,90 Euro monat­lich gekürzt wor­den ist. Dar­auf­hin ist Kla­ge erho­ben wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung ver­weist das Sozi­al­ge­richt Wies­ba­den auf das Prin­zip des „För­dern und For­dern”, auf dem das SGB II beru­he. Erwerbs­fä­hi­ge Hil­fe­emp­fän­ger sei­en ver­pflich­tet, alle Mög­lich­kei­ten zur Been­di­gung oder Ver­rin­ge­rung ihrer Hil­fe­be­dürf­tig­keit aus­zu­schöp­fen. Unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für eine dau­er­haf­te Ein­glie­de­rung in Arbeit sei die Beherr­schung der deut­schen Spra­che in Wort und Schrift. Die vor­ge­se­he­ne Maß­nah­me die­ne des­halb recht­mä­ßig dem gesetz­lich ange­streb­ten Ziel. Die Teil­nah­me an der Maß­nah­me sei auch zumut­bar gewe­sen. Der Ehe­mann der Klä­ge­rin hät­te trotz see­li­scher Pro­ble­me zumin­dest stun­den­wei­se die Betreu­ung der min­der­jäh­ri­gen Kin­der über­neh­men kön­nen. Daher sei die Sank­ti­on des Job­cen­ters recht­mä­ßig.

Sozi­al­ge­richt Wies­ba­den, Urteil vom 28. Febru­ar 2013 – S 12 AS 484/​10 (nicht rechts­kräf­tig: Ver­fah­ren ist anhän­gig beim Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt – L 6 AS 187/​13 NZB)

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