Die Förderfähigkeit einer Ausbildung

Es besteht kein Anspruch auf gemäß § 7 Abs. 5 SGB II, wenn die Aus­bil­dung des Antrag­stel­lers grund­sätz­lich för­de­rungs­fä­hig ist. Ob dem Aus­zu­bil­den­den tat­säch­lich Leis­tun­gen gewährt wer­den oder ob ein per­sön­li­cher Ver­sa­gungs­grund gegen einen Anspruch auf vor­liegt, ist dabei nicht maß­geb­lich.

So das Sozi­al­ge­richt Spey­er im Rah­men von zwei einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren eines Antrag­stel­lers, der gel­tend gemacht hat, dass er einen Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem SGB II habe, da er einen aner­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf anstre­be und kei­ne Leis­tun­gen nach dem und nach dem SGB III erhal­te. Der 1980 gebo­re­ne Antrag­stel­ler bezog lau­fend Leis­tun­gen nach dem SGB II. Er besucht seit August 2012 die Meis­ter­schu­le für Hand­wer­ker, Bezirks­ver­band Pfalz, mit dem Ziel, die Aus­bil­dung zum „Gold­schmied” zu absol­vie­ren. Aus­weis­lich der am 08.05.2012 aus­ge­stell­ten Beschei­ni­gung des Refe­ra­tes Jugend und Sport der Stadt­ver­wal­tung Kai­sers­lau­tern – Amt für – ist der Besuch der drei­jäh­ri­gen Berufs­fach­schu­le „Gold­schmied” an der Meis­ter­schu­le Kai­sers­lau­tern grund­sätz­lich för­de­rungs­fä­hig. Der Antrag­stel­ler erhält jedoch kei­ne , da er die Vor­aus­set­zun­gen nach § 10 wegen Über­schrei­tung der Alters­gren­ze nicht erfüllt. Der Antrag­stel­ler erhält kei­ne Berufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe (BAB), da er noch kei­ne abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung oder drei­jäh­ri­ge beruf­li­che Tätig­keit vor­wei­sen kann. Das zustän­di­ge Job­cen­ter been­de­te zum Beginn der Aus­bil­dung an der Meis­ter­schu­le die Gewäh­rung von Leis­tun­gen nach dem SGB II. Zur Begrün­dung führ­te das Job­cen­ter aus, dass der Antrag­stel­ler gemäß § 7 Abs. 5 SGB II kei­nen Anspruch auf habe, da die Aus­bil­dung des Antrag­stel­lers nach dem oder nach dem SGB III för­de­rungs­fä­hig sei. Ob tat­säch­lich Leis­tun­gen nach dem oder dem SGB III gewährt wer­den, sei nicht maß­geb­lich. Der Antrag­stel­ler hat vor Gericht gel­tend gemacht, dass er einen Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem SGB II habe, da er einen aner­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf anstre­be und kei­ne Leis­tun­gen nach dem und nach dem SGB III erhal­te.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Spey­er ste­he die Ent­schei­dung des Job­cen­ters in Ein­klang mit den recht­li­chen Vor­ga­ben. Nach § 7 Abs. 5 SGB II haben Aus­zu­bil­den­de, deren Aus­bil­dung im Rah­men des oder der §§ 51, 57 und 58 SGB III dem Grun­de nach för­de­rungs­fä­hig ist, über die Leis­tun­gen nach § 27 SGB II hin­aus kei­nen Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts. Die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­nah­men von § 7 Abs. 6 SGB II sind im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt. Aus­weis­lich der am 08.05.2012 aus­ge­stell­ten Beschei­ni­gung des Refe­ra­tes Jugend und Sport der Stadt­ver­wal­tung Kai­sers­lau­tern – Amt für – ist der Besuch der drei­jäh­ri­gen Berufs­fach­schu­le „Gold­schmied” an der Meis­ter­schu­le Kai­sers­lau­tern inso­weit grund­sätz­lich för­de­rungs­fä­hig. Im Fall des 1980 gebo­re­nen Antrag­stel­lers liegt jedoch ein per­sön­li­cher Ver­sa­gungs­grund nach § 10 vor. wird auf­grund der gesetz­li­chen Rege­lun­gen des § 10 Abs. 1 Satz 1  näm­lich nicht geleis­tet, wenn der Aus­zu­bil­den­de bei Beginn des Aus­bil­dungs­ab­schnitts, für den er bean­tragt, das 30. Lebens­jahr, bei Stu­di­en­gän­gen nach § 7 Absatz 1a das 35. Lebens­jahr voll­endet hat. Für den Aus­schluss des Anspruchs auf nach § 7 Abs. 5 SGB II kommt es allein auf die För­der­fä­hig­keit der Aus­bil­dung an, und zwar unab­hän­gig davon, ob der Aus­zu­bil­den­de tat­säch­lich geför­dert wird oder ob, wie im Fall des Antrag­stel­lers, ein per­sön­li­cher Ver­sa­gungs­grund gegen einen Anspruch auf vor­liegt 1. Dies ent­spricht dem Wil­len des Gesetz­ge­bers, mit dem SGB II kein drit­tes För­der­sys­tem für Schu­le und Aus­bil­dung vor­zu­hal­ten, wie sich den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en ein­deu­tig ent­neh­men lässt. Dar­über hin­aus liegt beim Antrag­stel­ler auch kein unzu­mut­ba­rer Här­te­fall vor, der nach § 27 Abs. 4 SGB II die dar­le­hens­wei­se Bewil­li­gung von Sozi­al­leis­tun­gen recht­fer­tigt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richt bedeu­tet allei­ne der Ver­zicht auf die Fort­set­zung der Aus­bil­dung infol­ge der Ver­sa­gung der Leis­tun­gen nach § 7 Abs. 5 SGB II kei­ne beson­de­re Här­te. Eine sol­che sei etwa nur dann gege­ben, wenn eine weit fort­ge­schrit­te­ne Aus­bil­dung in kur­zer Zeit nur mit­tels eines Dar­le­hens been­det wer­den kann oder wenn eine weit fort­ge­schrit­te­ne Aus­bil­dung etwa infol­ge von Krank­heit oder Behin­de­rung ver­zö­gert wird. Da der Antrag­stel­ler sei­ne Aus­bil­dung erst zum 13.08.2012 antrat, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me einer unzu­mut­ba­ren Här­te beim Antrag­stel­ler nicht vor. Des Wei­te­ren hat der Antrag­stel­ler auch kei­nen Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem SGB XII. Der Anspruch auf Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach den §§ 27 ff. SGB XII ist gemäß der Vor­ga­be in § 5 Abs. 2 SGB II nicht gege­ben, da der Antrag­stel­ler einen mög­li­chen Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­hal­tes nach dem SGB II hat. Leis­tun­gen nach dem Vier­ten Kapi­tel des SGB XII (§§ 41 ff. SGB XII) schei­den eben­falls aus, da im vor­lie­gen­den Fall die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Grund­si­che­rung im Alter oder bei Erwerbs­min­de­rung ein­deu­tig nicht erfüllt sind.

Sozi­al­ge­richt Spey­er, Beschlüs­se vom 7. Mai 2013 – S 5 AS 649/​13 ER und vom 31. Okto­ber 2012 – S 5 AS 1617/​12 ER

  1. LSG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 18.05.2010 – L 5 AS 219/​09 B[]