Die Vereinbarkeit des Leistungsausschlusses für Ausländer mit dem EU-Recht

Da erheb­li­che Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit des Leis­tungs­aus­schlus­ses für EU-Bür­ger mit dem Gemein­schafts­recht der Euro­päi­schen Uni­on bestehen, ist einer spa­ni­schen Fami­lie vor­läu­fig Leis­tun­gen nach dem SGB II zu gewäh­ren.

So hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren ent­schie­den und das Job Cen­ter Mär­ki­scher Kreis in Iser­lohn zur vor­läu­fi­ge Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld II für eine spa­ni­sche Fami­lie ver­pflich­tet. Seit Juli 2013 lebt die sechs­köp­fi­ge spa­ni­sche Fami­lie (Ehe­paar mit 4 Kin­dern) in Iser­lohn. Zwei Fami­li­en­mit­glie­der üben gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen aus, im Übri­gen erhält die Fami­lie Kin­der­geld. Den Antrag auf Gewäh­rung von Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Sozi­al­ge­setz­buch II („Hartz IV”“) lehn­te das Job Cen­ter Mär­ki­scher Kreis in Iser­lohn unter Hin­weis auf den Leis­tungs­aus­schluss nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II ab. Dem­nach wür­den für Aus­län­der und ihre Fami­li­en, deren Auf­ent­halts­recht sich allein aus dem Zweck der Arbeit­su­che erge­be, kei­ne Leis­tun­gen gewährt. Dage­gen hat die Fami­lie Eil­an­trag gestellt.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Dort­mund kön­ne es im Eil­ver­fah­ren nicht abschlie­ßend geklärt wer­den, ob der Leis­tungs­aus­schluss zu Las­ten der Antrag­stel­ler ein­grei­fe. Es bestün­den jedoch erheb­li­che Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit des Leis­tungs­aus­schlus­ses für EU-Bür­ger mit dem Gemein­schafts­recht der EU. Die danach im Eil­ver­fah­ren maß­geb­li­che Fol­gen­ab­wä­gung fal­le zuguns­ten der Antrag­stel­ler aus. Der Fami­lie droh­ten ohne die Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen exis­ten­zi­el­le Nach­tei­le, die sie aus eige­ner Kraft nicht abwen­den kön­ne. Da die Behör­de einen etwai­gen Rück­for­de­rungs­an­spruch ggfs. nicht wer­de rea­li­sie­ren kön­nen, sei die einst­wei­li­ge Anord­nung zeit­lich zu begren­zen. Das Job Cen­ter ist im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung ver­pflich­tet wor­den, vor­läu­fig Leis­tun­gen nach dem SGB II in Höhe von 1033 Euro monat­lich zu gewäh­ren.

Sozi­al­ge­richt Dort­mund, Beschluss vom 22. Janu­ar 2014 – S 19 AS 5107/​13 ER