Grundsicherungsleistungen und nachträglich festgesetztes Kindergeld

Einem Sozi­al­leis­tungs­trä­ger steht nach einem Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter gegen die Fami­li­en­kas­se bei einer nach­träg­li­chen Fest­set­zung von ein zu, sofern die­ser zuvor unge­kürz­te Sozi­al­leis­tun­gen aus­ge­zahlt hat und eine sozi­al­recht­li­che Bedarfs­ge­mein­schaft zwi­schen dem berech­tig­tem und sei­nen Kin­dern besteht.

In dem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Rechts­streit bezo­gen die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann für sich und ihre sechs in ihrem Haus­halt leben­den min­der­jäh­ri­gen Kin­der lau­fen­de Sozi­al­leis­tun­gen, zunächst nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­set­zes, ab Janu­ar 2005 ent­spre­chen­de Leis­tun­gen nach den Vor­schrif­ten des SGB II. Erst im Sep­tem­ber 2007 setz­te die Fami­li­en­kas­se für die Kin­der der Klä­ge­rin fest – und zwar rück­wir­kend ab Juni 2000. Eine Aus­zah­lung des es an die Klä­ge­rin erfolg­te nicht. Die als Sozi­al­leis­tungs­trä­ger zustän­di­ge Kom­mu­ne mach­te einen gemäß § 74 Abs. 2 EStG; §§ 103, 104, 107 SGB X gel­tend, da sie in der Ver­gan­gen­heit unge­kürz­te Sozi­al­leis­tun­gen an die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie aus­ge­zahlt hat­te.

Die Kla­ge auf Aus­zah­lung des es an die Klä­ge­rin blieb vor dem Finanz­ge­richt Müns­ter wei­test­ge­hend ohne Erfolg, das Finanz­ge­richt bestä­tig­te dem Grun­de nach den der Kom­mu­ne. Die bis­lang aus­ge­zahl­ten Sozi­al­leis­tun­gen und das – das sozi­al­recht­lich anre­chen­ba­res Ein­kom­men dar­stel­le und sich dem­nach anspruchs­min­dernd aus­wir­ke – sei­en gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen. Mit der unge­kürz­ten Aus­zah­lung der Sozi­al­leis­tun­gen sei die Kom­mu­ne in Höhe des es in Vor­leis­tung getre­ten.

Ein Erstat­tungs­recht des Sozi­al­leis­tungs­trä­gers nach § 74 Abs. 2 EStG bestehe aller­dings nur dann, wenn der anspruch und der Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen in einer Per­son zusam­men­fie­len. Dies sei (in Abgren­zung zu BFH, BStBl. II 2009, 919)) jeden­falls dann der Fall, wenn der berech­tig­te mit sei­nen min­der­jäh­ri­gen Kin­dern in einem Haus­halt zusam­men­woh­ne und somit eine sozi­al­recht­li­che Bedarfs­ge­mein­schaft bestehe. Inso­fern sei trotz feh­len­der for­ma­ler Per­so­nen­iden­ti­tät (Sozi­al­leis­tungs­emp­fän­ger sind auch die Kin­der) eine wer­ten­de Betrach­tung des „Gesamt­ein­kom­mens” der Bedarfs­ge­mein­schaft vor­zu­neh­men.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 18. Febru­ar 2010 – 6 K 390/​08 AO