Kein ALG II bei Darlehn von den Eltern

Hartz-IV-Bezü­ge sind zu min­dern, wenn Eltern ihren Kin­dern zur Über­brü­ckung von finan­zi­el­len Eng­päs­sen Geld zukom­men las­sen. Die­se Auf­fas­sung jeden­falls ver­trag jetzt das Sozi­al­ge­richt Det­mold in einem aktu­el­len Urteil und wies die Kla­ge eines 37-jäh­ri­gen Arbeit­su­chen­den ab, der gegen einen Rück­for­de­rungs­be­scheid der Arge gewandt hat­te. Grund für die Rückforde­rung waren meh­re­re Über­wei­sun­gen sei­ner Eltern im Gesamt­wert von 630 €, die sei­nem Kon­to inner­halb der letz­ten 6 Mona­te gut­ge­schrie­ben wor­den waren. Die Arge berech­ne­te erneut den Bedarf des Klä­gers für die Ver­gan­gen­heit unter Berück­sich­ti­gung der Zahlun­gen der Eltern und for­der­te den Unter­schieds­be­trag gegen­über den bereits gewähr­ten Leis­tun­gen zurück.

Der Klä­ger wur­de vom Sozi­al­ge­richt nicht mit sei­ner Argu­men­ta­ti­on gehört, bei den Zah­lun­gen habe es sich um klei­ne­re Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen gehan­delt, die er zurück­zu­zah­len habe, wenn er wie­der Arbeit gefun­den hat. Denn – so das Sozi­al­ge­richt – auch dar­le­hens­wei­se gewähr­te Mit­tel stel­len eine dem Leis­tungs­emp­fän­ger tat­säch­lich zur Ver­fü­gung ste­hen­de und damit den Bedarf min­dern­de Ein­nah­me dar. Ins­be­son­de­re ist nicht von Bedeu­tung, ob der Leis­tungs­emp­fän­ger mögli­cherweise zur Rück­zah­lung ver­pflich­tet ist. Zwar kann sich die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung unmit­tel­bar auf die finan­zi­el­le Situa­ti­on eines Hilfebedürfti­gen aus­wir­ken, etwa weil er zur unver­züg­li­chen Til­gung des Dar­le­hens durch Raten ver­pflichtet ist. Für eine sol­che Inter­pre­ta­ti­on sahen die Rich­ter jedoch kei­nen Anlass. Da der Zeit­punkt der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung unbe­stimmt und sich auf ein in der Zukunft lie­gen­des Ereig­nis – näm­lich die Wie­der­auf­nah­me einer Erwerbs­tä­tig­keit – bezieht, wird durch die Gewäh­rung des Dar­le­hens der aktu­el­le Ver­mö­gens­stand des Leistungsempfän­gers ver­mehrt.

Sozi­al­ge­richt Det­mold, Urteil vom 19. August 2009 – S 18 (23) AS 107/​08
(nicht rechts­kräf­tig, Beru­fung beim Lan­des­so­zi­al­ge­richt NRW anhän­gig – L 20 AS 45/​09)

Kein ALG II bei Darlehn von den Eltern