Kindergeldklagen – und die Beiladung des Jobcenters

Ein angeb­lich erstat­tungs­be­rech­tig­ter Sozi­al­leis­tungs­trä­ger ist bei einer Kla­ge des berech­tig­ten gegen einen Abrech­nungs­be­scheid der Fami­li­en­kas­se not­wen­dig bei­zu­la­den

Nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO hat eine Bei­la­dung zu erfol­gen, wenn an dem strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis Drit­te der­art betei­ligt sind, dass die gericht­li­che Ent­schei­dung auch ihnen gegen­über nur ein­heit­lich erge­hen kann (). Das ist der Fall, wenn die Ent­schei­dung nach Maß­ga­be des mate­ri­el­len Steu­er­rechts not­wen­di­ger­wei­se und unmit­tel­bar Rech­te oder Rechts­be­zie­hun­gen des Drit­ten gestal­tet, bestä­tigt, ver­än­dert oder zum Erlö­schen bringt 1.

Nach der Recht­spre­chung des BFH ist der betrof­fe­ne Sozi­al­leis­tungs­trä­ger zum Kla­ge­ver­fah­ren eines berech­tig­ten gegen einen Abrech­nungs­be­scheid not­wen­dig bei­zu­la­den, wenn die Fami­li­en­kas­se das auf­grund eines gel­tend gemach­ten Erstat­tungs­an­spruchs an den Sozi­al­leis­tungs­trä­ger aus­ge­zahlt und dem berech­tig­ten durch Abrech­nungs­be­scheid mit­ge­teilt hat, sein Anspruch auf gel­te als erfüllt 2.

Der Anspruch des Klä­gers gilt nach § 74 Abs. 2 EStG i.V.m. § 107 SGB X als erfüllt, soweit ein Erstat­tungs­an­spruch der Bei­ge­la­de­nen besteht. Kommt das Finanz­ge­richt hin­ge­gen zu dem Ergeb­nis, dass kein Erstat­tungs­an­spruch besteht, hat die Bei­ge­la­de­ne die von der Fami­li­en­kas­se gezahl­ten Beträ­ge gemäß § 74 Abs. 2 EStG i.V.m. § 112 SGB X grund­sätz­lich zurück­zu­er­stat­ten. Die­se Ansprü­che hän­gen nach der bezeich­ne­ten Recht­spre­chung des BFH so eng mit­ein­an­der zusam­men, dass eine Ent­schei­dung gegen­über dem berech­tig­ten und dem Erstat­tungs­be­rech­tig­ten nur ein­heit­lich erge­hen kann.

Soweit sich die Bei­ge­la­de­ne gegen­über dem Klä­ger und der Fami­li­en­kas­se auf eine angeb­li­che Ver­jäh­rung und Ver­wir­kung beruft, ist dies für die Fra­ge der Bei­la­dung schon des­halb irrele­vant, weil ‑von hier nicht vor­lie­gen­den Aus­nah­men abge­se­hen 3- die Erfolgs­aus­sich­ten der Kla­ge bei der Ent­schei­dung über die Bei­la­dung außer Betracht zu blei­ben haben; maß­geb­lich ist nicht, wie, son­dern ob das Gericht über eine ein­heit­lich zu ent­schei­den­de Fra­ge zu befin­den hat 4. Dies ist hier, wie dar­ge­legt, gemäß der Recht­spre­chung des BFH der Fall.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. April 2014 – XI B 145/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 17.04.2013 – VI R 15/​12, BFH/​NV 2013, 1242, m.w.N.; Lei­pold in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 60 FGO Rz 43 ff.; Gräber/​Levedag, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 60 Rz 23 ff.; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 60 FGO Rz 19 ff.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 16.01.2007 – III R 33/​05, BFH/​NV 2007, 720; vom 14.04.2008 – III R 87/​06; in BFH/​NV 2013, 1242; s.a. Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 74 EStG Rz 16; Blümich/​Treiber, § 74 EStG Rz 52[]
  3. vgl. dazu z.B. Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 60 FGO Rz 13, 93; Lei­pold in HHSp, § 60 FGO Rz 45 f.; Gräber/​Levedag, a.a.O., § 60 Rz 12, 32 f.[]
  4. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 08.10.2002 – III B 74/​02, BFH/​NV 2003, 195; vom 08.12 2006 – VII B 243/​05, BFHE 216, 18, BStBl II 2008, 436; BFH, Urtei­le vom 24.06.1971 – IV R 219/​68, BFHE 102, 460, BStBl II 1971, 714; vom 27.11.1990 – VIII R 206/​84, BFH/​NV 1991, 692; s.a. zur mög­li­cher­wei­se ein­ge­tre­te­nen Ver­jäh­rung bei Bei­la­dung nach § 174 Abs. 5 der Abga­ben­ord­nung BFH, Beschlüs­se vom 30.01.1996 – VIII B 20/​95, BFH/​NV 1996, 524; vom 22.10.2001 – XI B 16/​00, BFH/​NV 2002, 308; vom 15.10.2010 – III B 149/​09, BFH/​NV 2011, 404[]