Leistungskürzung bei Eigenkündigung

Das Arbeits­lo­sen­geld II ist auch in den Fäl­len in einer ers­ten Stu­fe um 30% der nach § 20 SGB II maß­ge­ben­den Regel­leis­tung abzu­sen­ken, in denen erwerbs­fä­hi­ge Hil­fe­be­dürf­ti­ge wäh­rend des Bezu­ges von Leis­tun­gen nach dem SGB II eine selbst gesuch­te und zumut­ba­re Beschäf­ti­gung auf­ge­ben und damit die Vor­aus­set­zun­gen einer Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be erfül­len, die das Ruhen oder Erlö­schen eines Anspruchs auf Arbeits­lo­sen­geld begrün­den wür­de, § 31 Abs. 4 Nr. 3 Buch­sta­be b und Abs. 1 Satz 1 SGB II in Ver­bin­dung mit § 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III .

Eine sol­che Sank­ti­on setzt nicht vor­aus, dass dem Hil­fe­be­dürf­ti­gen vor­her eine Rechts­fol­gen­be­leh­rung über die Sank­ti­ons­fol­gen erteilt wor­den ist. Dies gilt auch dann, wenn die Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me dem zustän­di­gen Leis­tungs­trä­ger recht­zei­tig mit­ge­teilt wor­den ist.

Dies ent­schied jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg und folg­te damit aus­drück­lich nicht der ein­schrän­ken­den, gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung, nach der § 31 Abs. 4 Nr. 3 Buch­sta­be b SGB II als Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für Sank­tio­nen nur anzu­wen­den ist, wenn die sperr­zeit­be­grün­den­de Pflicht­ver­let­zung zeit­lich vor dem Ein­tritt in den Leis­tungs­be­zug liegt:

Es wür­de, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, einen mit Sinn und Zweck des § 31 SGB II nicht zu ver­ein­ba­ren­den Wer­tungs­wi­der­spruch bedeu­ten, den­je­ni­gen zu sank­tio­nie­ren, der vor dem Leis­tungs­be­zug nach dem SGB II eine Beschäf­ti­gung auf­ge­ge­ben hat und gegen­über dem man­gels Anspruchs­be­rech­ti­gung nach dem SGB III eine Sperr­zeit wegen Arbeits­auf­ga­be nicht fest­ge­stellt wer­den kann, obwohl er über eine dro­hen­de Sank­ti­on nach § 31 SGB II nie belehrt wor­den ist, aber den­je­ni­gen nicht zu sank­tio­nie­ren, der wäh­rend des Leis­tungs­be­zu­ges nach dem SGB II ein selbst gesuch­tes Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis in sperr­zeit­re­le­van­ter Wei­se auf­ge­ge­ben hat.

Die Gegen­auf­fas­sung kann auch nicht auf ein nach Wort­laut und Sys­te­ma­tik in § 31 SGB II ange­leg­tes Rang­ver­hält­nis zwi­schen den Sank­ti­ons­tat­be­stän­den des Abs. 1 und des Abs. 4, mög­li­che Über­schnei­dun­gen die­ser Tat­be­stän­de, die Funk­ti­on von § 31 Abs. 4 SGB II, die Wir­kun­gen des Sperr­zeit­rechts vor Umge­hun­gen zu schüt­zen oder die Annah­me gestützt wer­den, dass die hier ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zu einer Dop­pe­lung von Sank­ti­ons­fol­gen füh­ren kön­ne.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 16. Juli 2009 – L 5 AS 20/​07

Leistungskürzung bei Eigenkündigung