Nochmals: Private Krankenversicherung bei ALG II-Bezug

Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung von Hartz-IV-Emp­fän­gern: ARGEN müs­sen Bei­trä­ge in vol­ler Höhe über­neh­men

Die Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (ALG II) müs­sen die Kos­ten für die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung von ALG II-Emp­fän­gern voll über­neh­men. Dies ent­schied nun auch in zwei Ver­fah­ren von Arbeits­lo­sen­geld-II-Bezie­hern aus Düs­sel­dorf und Gref­rath das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf.

Die Klä­ger sind im jeweils güns­tigs­ten Tarif (Basis­ta­rif) pri­vat kran­ken­ver­si­chert. Ein Wech­sel in die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung war in bei­den Fäl­len aus recht­li­chen Grün­den aus­ge­schlos­sen. Die ARGEn Düs­sel­dorf und Kreis Vier­sen bewil­lig­ten den Klä­gern nur einen Zuschuss zu ihren pri­va­ten Ver­si­che­run­gen, nicht jedoch die vol­len Bei­trä­ge. Zur Begrün­dung führ­ten sie aus, dass nur ein Zuschuss in Höhe des Bei­tra­ges zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gewährt wer­den kön­ne. Für die Zah­lung höhe­rer Leis­tun­gen feh­le es an einer Rechts­grund­la­ge.

Die hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge hat­ten nun vor dem Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf Erfolg: Die ARGEn wur­den ver­ur­teilt, die Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung in tat­säch­li­cher Höhe zu über­neh­men. Dies erge­be sich zwar nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz, aber aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 26 Abs. 2 Nr. 2 SGB II. Danach wird für Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II, die frei­wil­lig in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chert sind, für die Dau­er des Leis­tungs­be­zu­ges der Bei­trag über­nom­men. Die­se Rege­lung sei auch dann anwend­bar, wenn der Hartz-IV-Emp­fän­ger pri­vat kran­ken­ver­si­chert sei. Denn es bestehe eine mit dem gere­gel­ten Fall ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge. Es ent­spre­che der Absicht des Gesetz­ge­bers, für Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II umfas­sen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz zu gewähr­leis­ten, ohne sie gegen ihren Wil­len mit Bei­trä­gen zu belas­ten. Wenn ein Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung jedoch aus­schei­de, müs­se auch der pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag voll über­nom­men wer­den. Andern­falls wür­den bei den Betrof­fe­nen Bei­trä­ge in nicht uner­heb­li­cher Höhe auf­lau­fen, so dass das Exis­tenz­mi­ni­mum nicht mehr gewähr­leis­tet sei.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 12. April 2010 – S 29 AS 547/​10 und S 29 AS 412/​10