Prozesskostenhilfe für Klage auf höhere Regelleistung

Wird Kla­ge gegen die Höhe der seit 1. Janu­ar 2011 gel­ten­den Regel­sät­ze nach dem SGB II erho­ben, gibt es hier­für kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe. Gemäß dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem Febru­ar 2010 1 hat der Gesetz­ge­ber mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2011 Neu­re­ge­lun­gen der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung vor­ge­nom­men, die auch den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­spre­chen 2

In dem hier vor­lie­gen­den Fall des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg weist das Gericht aus­drück­lich dar­auf hin, dass es für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum 1. Janu­ar bis 31. Okto­ber 2011 kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Bean­stan­dung bezüg­lich der Höhe des der Klä­ge­rin zuste­hen­den monat­li­chen Regel­sat­zes von 364,00 Euro 3 gibt.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ist der Auf­fas­sung – auch wenn es hier­zu ver­ein­zelt anders­lau­ten­de Stim­men in der Lite­ra­tur gibt – dass die auf­grund des Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Febru­ar 2010 4 durch den Gesetz­ge­ber mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2011 vor­ge­nom­me­nen Neu­re­ge­lun­gen der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung den Vor­ga­ben des BVerfG ent­spre­chen 5.

Der Umstand, dass das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg mit Urteil vom 10. Juni 2011 6 der Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der ab dem 1. Janu­ar 2011 gül­ti­gen Neu­fas­sung des § 20 Abs. 2 SGB II ange­sichts des Umstan­des, dass hier­zu höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung noch nicht ergan­gen ist, gleich­wohl aber eine Viel­zahl von Ver­fah­ren mit dem Streit­ge­gen­stand anhän­gig sind, grund­sätz­li­che Bedeu­tung bei­gemes­sen und auf die­se Wei­se den Weg zur Ent­schei­dung durch das Bun­des­so­zi­al­ge­richt eröff­net hat, erlaubt nicht den von der Klä­ge­rin gezo­ge­nen Rück­schluss, dass für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren, das mit im wesent­li­chen iden­ti­scher Begrün­dung geführt wird, hin­rei­chen­de Erfolgs­aus­sicht besteht. Viel­mehr hat auch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung betont, dass er eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung nicht erken­nen kann. Es exis­tiert kein „Auto­ma­tis­mus“ der­ge­stalt, dass aus der Zulas­sung einer Revi­si­on durch einen ande­ren Senat des­sel­ben Beru­fungs­ge­richts bzw. der nach­fol­gen­den Anhän­gig­keit eines Revi­si­ons­ver­fah­rens 7 bei dem Revi­si­ons­ge­richt auf hin­rei­chen­de Erfolgs­aus­sich­ten eines recht­lich im wesent­li­chen gleich­ge­la­ger­ten Ver­fah­rens geschlos­sen wer­den kann.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 26. Okto­ber 2011 – L 2 AS 4330/​11 B

Prozesskostenhilfe für Klage auf höhere Regelleistung
  1. BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09[]
  2. so auch bereits Beschlüs­se des Bay­er. LSG vom 27.05.2011 – L 7 AS 342/​11 B und vom 05.07.2011 – L 7 AS 334/​11 B; vgl. zum SGB XII fer­ner Beschluss des LSG Baden-Württ. vom 27.09.2011 – L 2 SO 3903/​11 B[]
  3. vgl. § 19 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 20 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 SGB II in der mit Wir­kung vom 01.01.2011 durch das Gesetz zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zu Ände­run­gen des SGB II und SGB XII vom 24.03.2011, Bun­des­ge­setz­blatt I Sei­te 453 ff. ein­ge­führ­ten Fas­sung; vgl. eben­falls Neu­be­kannt­ma­chung des SGB II vom 13.05.2011, Bun­des­ge­setz­blatt I Sei­te 850[]
  4. 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09[]
  5. so auch bereits Beschlüs­se des Bay­er. LSG vom 27.05.2011 – L 7 AS 342/​11 B und vom 05.07.2011 – L 7 AS 334/​11 B; vgl. zum SGB XII fer­ner LSG Baden-Württ., Beschluss vom 27.09.2011 – L 2 SO 3903/​11 B[]
  6. L 12 AS 1077/​11[]
  7. das vom 12. Senat ent­schie­de­ne Ver­fah­ren ist beim Bun­des­so­zi­al­ge­richt anhän­gig unter B 14 AS 153/​11 R[]