Übernahme der Kosten für die Warmwasserbereitung

Die Nach­for­de­rung der Betriebs- und Heiz­kos­ten ist von der zustän­di­gen Arbeits­ge­mein­schaft bzw. Job­cen­ter dem Klä­ger als Emp­fän­ger von Leis­tun­gen nach dem SGB II zu erstatten.

Im hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist der Klä­ger wäh­rend des gesam­ten strit­ti­gen Zeit­raums in den Jah­ren 2006 und 2007 dem Grun­de nach leis­tungs­be­rech­tigt nach § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II. Zusätz­lich zu den lau­fen­den Leis­tun­gen für die Unter­kunft und Hei­zung ist im August 2007 die in die­sem Monat fäl­lig gewor­de­ne – und vom Klä­ger an den Ver­mie­ter gezahl­te – Nach­zah­lung für die Betriebs- und Heiz­kos­ten von 92,52 Euro vom Beklag­ten an den Klä­ger zu zahlen.

Nach­for­de­run­gen, die nach zuvor erfolg­ten monat­li­chen Vor­aus­zah­lun­gen für die Betriebs- und Heiz­kos­ten ent­ste­hen, gehö­ren als ein­mal geschul­de­te Zah­lung zum aktu­el­len Bedarf im Fäl­lig­keits­mo­nat. Denn zu den tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen für die Unter­kunft und Hei­zung iS des § 22 Abs 1 Satz 1 SGB II in Miet­woh­nun­gen gehö­ren bei ent­spre­chen­der ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung die dem Ver­mie­ter geschul­de­ten Vor­aus­zah­lun­gen für die Betriebs- und die Heiz­kos­ten. Soweit sich im Rah­men der Abrech­nung die­ser Vor­aus­zah­lun­gen Rück­zah­lun­gen erge­ben, min­dern die­se nicht die Auf­wen­dun­gen in den vor­an­ge­hen­den Zeit­räu­men, son­dern aktu­ell 1. Kommt es im umge­kehr­ten Fall nach Abrech­nung der tat­säch­lich ent­stan­de­nen Betriebs- und Heiz­kos­ten zu Nach­zah­lungs­ver­lan­gen des Ver­mie­ters, gehö­ren sol­che ein­mal geschul­de­ten Zah­lun­gen zum aktu­el­len Bedarf im Fäl­lig­keits­mo­nat und bewir­ken eine Ände­rung in den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen, der nach § 48 SGB X Rech­nung zu tra­gen ist 2. Davon ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt 3 zu Recht aus­ge­gan­gen und dies ist zwi­schen den Betei­lig­ten auch nicht umstritten.

Der Beklag­te meint jedoch, die Nach­zah­lung sei allei­ne durch die zu hohen Kos­ten für die Warm­was­ser­be­rei­tung ent­stan­den und die­se müs­se der Klä­ger aus sei­ner Regel­leis­tung selbst zah­len. Dies ist auf der tat­säch­li­chen Ebe­ne nach­voll­zieh­bar: Denn die Betriebs­kos­ten betru­gen zusam­men mit dem auf sie bezo­ge­nen Umla­ge­aus­fall­wag­nis 820,40 Euro und die Vor­aus­zah­lung für die Betriebs­kos­ten 840 Euro, sodass inso­fern eine Über­zah­lung von 19,60 Euro ent­stand. Die Vor­aus­zah­lung für die Heiz­kos­ten, ein­schließ­lich der Warm­was­ser­auf­be­rei­tung, betrug 480 Euro, von denen der Beklag­te im Rah­men der Leis­tun­gen für die Unter­kunft und Hei­zung (40 – 6,67 = 33,33 x 12 =) 399,96 Euro über­nom­men hat­te, wäh­rend als Heiz­kos­ten ins­ge­samt 592,12 Euro für das Jahr 2006 vom Ver­mie­ter in Rech­nung gestellt wur­den. Dar­aus folgt jedoch – auf der recht­li­chen Ebe­ne – nicht, dass die Nach­zah­lung nicht zu über­neh­men ist.

Zwar waren für das gesam­te Jahr 2006, auf das sich die Nach­zah­lung bezieht, die Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung im Rah­men der Haus­halts­ener­gie in der Regel­leis­tung nach § 20 SGB II ent­hal­ten, obwohl die Haus­halts­ener­gie erst durch das GSi­FoG aus­drück­lich in dem neu gefass­ten § 20 Abs 1 SGB II auf­ge­nom­men wur­de 4. Denn bei einer voll­stän­di­gen Über­nah­me der Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung im Rah­men der nach den tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen für die Unter­kunft und Hei­zung nach § 22 SGB II wür­de dies zu einer geset­zes­wid­ri­gen Dop­pel­leis­tung füh­ren 5.

Um eine sol­che Dop­pel­leis­tung für die Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung zu ver­mei­den, müs­sen die­se aus den Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung her­aus­ge­rech­net wer­den. Dies hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Urteil vom 27.02.2008 getan und den in den ver­schie­de­nen Regel­leis­tun­gen ent­hal­te­nen Anteil für die Warm­was­ser­be­rei­tung ermit­telt 6. Für die in dem hier zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren maß­geb­li­che Regel­leis­tung von 345 Euro sind dies 6,22 Euro. Gegen die Her­lei­tung die­ses Betra­ges sind in der Fol­ge­zeit kei­ne grund­le­gen­den Ein­wän­de erho­ben wor­den 7, viel­mehr wur­den die­se Beträ­ge in der Lite­ra­tur für die Fol­ge­zeit fort­ge­schrie­ben 8.

Soweit der Beklag­te meint, auf­grund des in der Woh­nung des Klä­gers befind­li­chen Warm­was­ser­zäh­lers erfol­ge eine iso­lier­te Erfas­sung des Ver­brauchs und in Ver­bin­dung mit der erfolg­ten Abrech­nung nach der Heiz­kos­ten­ver­ord­nung sei­en die Vor­aus­set­zun­gen für eine iso­lier­te Erfas­sung der Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts erfüllt, kann dem nicht gefolgt werden.

Zwar stellt sich nach den grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richt 9 die Fra­ge nach einer Pau­scha­lie­rung der Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung nicht, wenn eine iso­lier­te Erfas­sung der Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung erfolgt. Dies erfor­dert jedoch nach die­sen Ent­schei­dun­gen nicht nur tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen zur Bestim­mung des Warm­was­ser­ver­brau­ches – wie vor­lie­gend, son­dern auch für die Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung, also die Kos­ten des in der Regel­leis­tung ent­hal­te­nen Ener­gie­ver­brauchs. Denn nur wenn der Hil­fe­be­dürf­ti­ge die Kos­ten selbst­ver­ant­wort­lich steu­ern kann, ist es gerecht­fer­tigt, von ihm deren Über­nah­me im Rah­men sei­ner pau­scha­lier­ten Regel­leis­tung zu verlangen.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht erfüllt, weil die Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung sich zum Teil zwar an dem Warm­was­ser­ver­brauch des Klä­gers ori­en­tie­ren, nicht jedoch an dem dafür maß­geb­li­chen Ener­gie­ver­brauch. Im Übri­gen wer­den sie auch nach der Wohn- und Nutz­flä­che umge­legt, sodass der Klä­ger die Kos­ten nur teil­wei­se mit sei­nem Ver­hal­ten beein­flus­sen kann. Dies wird vor­lie­gend durch die Wer­te der Abrech­nung des Ver­mie­ters belegt, nach denen von den Kos­ten für die Warm­was­ser­be­rei­tung 140,44 Euro auf die flä­chen­ab­hän­gi­gen Grund­kos­ten ent­fal­len und nur 67,31 Euro auf die vom Klä­ger über den Was­ser­ver­brauch in gewis­sem Maße steu­er­ba­ren Ver­brauchs­kos­ten. Ent­ge­gen den Aus­füh­run­gen der Revi­si­on erfüllt eine kor­rek­te Abrech­nung nach der Heiz­kos­ten­ver­ord­nung 10 gera­de nicht die Vor­aus­set­zung für eine iso­lier­te Erfas­sung der Kos­ten der Warm­was­ser­be­rei­tung, wie sich aus deren unver­än­dert gel­ten­den § 8 ergibt, nach dem min­des­tens 50, höchs­tens 70 von 100 der Kos­ten der zen­tra­len Warm­was­ser­ver­sor­gungs­an­la­ge nach dem erfass­ten Ver­brauch, die übri­gen Kos­ten nach der Wohn- und Nutz­flä­che zu ver­tei­len sind.

Aus dem von dem Beklag­ten ange­führ­ten Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 11 folgt nichts ande­res, weil in die­sem gera­de dahin­ge­stellt gelas­sen wur­de, ob in dem Haus­halt der dor­ti­gen Klä­ger tech­ni­sche Vor­rich­tun­gen vor­han­den waren, die eine iso­lier­te Erfas­sung der Kos­ten für Warm­was­ser­be­rei­tung ermög­lich­ten und zudem den Betriebs­kos­ten­vor­aus­zah­lun­gen kei­ne kon­kret geschul­de­ten Antei­le für die Warm­was­ser­be­rei­tung zu ent­neh­men waren.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 7. Juli 2011 – B 14 AS 154/​10 R 

  1. vgl die zum 01.08.2006 in Kraft getre­te­ne aus­drück­li­che gesetz­li­che Bestim­mung in § 22 Abs 1 Satz 4 SGB II, jetzt in § 22 Abs 3 SGB II in der Fas­sung des RBEG[]
  2. BSG, Urteil vom 02.07.2009 – B 14 AS 36/​08 R, BSGE 104, 41 = SozR 4–4200 § 22 Nr 23, jeweils RdNr 16; BSG, Urteil vom 22.03.2010 – B 4 AS 62/​09 R, SozR 4–4200 § 22 Nr 38 RdNr 13[]
  3. Baye­ri­sches LSG – L 16 AS 532/​09[]
  4. vgl Geset­zes­be­grün­dung zu dem GSi­FoG: BT-Drucks 16/​1410 S 23[]
  5. BSG, Urteil vom 27.02.2008 – B 14/​11b AS 15/​07 R, BSGE 100, 94 = SozR 4–4200 § 22 Nr 5, jeweils RdNr 20 f; BSG, Urteil vom 19.02.2009 – B 4 AS 48/​08 R, BSGE 102, 274 = SozR 4–4200 § 22 Nr 18, jeweils RdNr 24[]
  6. aaO, RdNr 25 f[]
  7. BSG, Urteil vom 24.02.2011 – B 14 AS 52/​09 R, RdNr 16[]
  8. Brehm/​Schifferdecker, SGb 2010, 331 ff[]
  9. Urteil vom 27.02.2008 – B 14/​11b AS 15/​07 R, BSGE 100, 94 = SozR 4–4200 § 22 Nr 5, jeweils RdNr 27; Urteil vom 19.02.2009 – B 4 AS 98/​08 R, BSGE 102, 274 = SozR 4–4200 § 22 Nr 18, jeweils RdNr 25[]
  10. in der Fas­sung vom 20.01.1989, BGBl I 115[]
  11. BSG, Urteil vom 20.08.2009 – B 14 AS 41/​08 R – RdNr 28[]