Verhängte Sanktionen und der Mehrbedarf für ALG II-Rechtsliteratur

Ein Emp­fän­ger von Leis­tun­gen nach dem SGB II, der sich Rechts­li­te­ra­tur anschaf­fen möch­te, muss die­ses aus der Regel­leis­tung finan­zie­ren, da es sich hier­bei um kei­nen unab­weis­ba­ren beson­de­ren Bedarf handelt.

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem Bezie­her von Leis­tun­gen nach dem SGB II kei­nen Son­der­be­darf zuge­stan­den, um sich Lite­ra­tur anzu­schaf­fen. Nach dem SGB II wer­den – neben den Unter­kunfts­kos­ten – die Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts in Form einer Pau­scha­le (der­zeit 374 € für Allein­ste­hen­de) bewil­ligt. Nur aus­nahms­wei­se ist ein Mehr­be­darf anzu­er­ken­nen, wenn im Ein­zel­fall ein unab­weis­ba­rer, lau­fen­der, nicht nur ein­ma­li­ger beson­de­rer Bedarf besteht. Die­ser muss der Höhe nach erheb­lich von einem durch­schnitt­li­chen Bedarf abwei­chen (§ 21 Abs. 6 SGB II). Der Klä­ger hat argu­men­tiert, er benö­ti­ge die Rechts­li­te­ra­tur, um sich gegen die ver­häng­ten Sank­tio­nen und Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­run­gen zur Wehr set­zen zu kön­nen. Sein Leis­tungs­trä­ger sol­le die benö­tig­ten 1.318 Euro ihm als Son­der­be­darf bewil­li­gen. Nach­dem die zustän­di­ge ArGe die Bewil­li­gung ablehn­te hat er sein Ziel in ers­ter Instanz vor Gericht auch nicht errei­chen können.

Auch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt hat dem Klä­ger nicht Recht gege­ben: Nach des­sen Auf­fas­sung lie­ge kein unab­weis­ba­rer beson­de­rer Bedarf vor, der für ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum erfor­der­lich sei. Des­halb müs­se die gewünsch­te Lite­ra­tur aus der Regel­leis­tung finan­ziert werden.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 21. Juli 2012 – L 5 AS 322/​10