Zusätzliche Leistungen für den Besuch des Elterngrabes

§ 71 SGB XII umfasst nur Leis­tun­gen zur Abmil­de­rung spe­zi­fi­scher Pro­ble­me des Alters. Die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der übri­gen Bestim­mun­gen des SGB XII dür­fen nicht dadurch erwei­tert wer­den, dass im Rah­men der „” Leis­tun­gen erbracht wer­den, mit denen die im Sin­ne eines sozio­kul­tu­rel­len Exis­tenz­mi­ni­mums begrenz­ten Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt umgan­gen wer­den. So umfasst die ins­be­son­de­re Leis­tun­gen, die alten Men­schen die Ver­bin­dung mit nahe ste­hen­den Per­so­nen ermög­licht. Dazu zählt auch die Besuchs­hil­fe, die­se ist aller­dings auf den Besuch leben­der Per­so­nen und nicht eines Fami­li­en­gra­bes gerich­tet.

Mit die­ser Begrün­dung hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt es als rech­tens ange­se­hen, dass für den Besuch des Eltern­grabs kein alters­be­ding­ter Bedarf sind. Ein Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger aus dem Raum Wies­ba­den bean­trag­te Leis­tun­gen der zum Besuch des Eltern­gra­bes. Für älte­re Men­schen sei die Kon­fron­ta­ti­on mit den Grä­bern von Ange­hö­ri­gen sehr wich­tig, weil sie sich selbst mit dem näher rücken­den Tod beschäf­tig­ten. Das Sozi­al­amt lehn­te den Antrag ab. Die gesetz­lich gere­gel­te sol­le der Ver­ein­sa­mung von Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern ent­ge­gen wir­ken. Da der 72-jäh­ri­ge Mann mit sei­ner Ehe­frau zusam­men­le­be, bestün­de die­se Gefahr nicht.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts sei die Ent­schei­dung des Sozi­al­am­tes nicht zu bean­stan­den. Das kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum wer­de bereits durch den Regel­satz abge­deckt. sol­le dar­über hin­aus den alten Men­schen hel­fen, am Leben in der Gemein­schaft teil­zu­neh­men. Dabei umfas­se die ins­be­son­de­re Leis­tun­gen, die alten Men­schen die Ver­bin­dung mit nahe ste­hen­den Per­so­nen ermög­lich­ten. Die davon umfass­te Besuchs­hil­fe sei aller­dings auf den Besuch leben­der Per­so­nen und nicht eines Fami­li­en­gra­bes gerich­tet. Zwar sei die Rege­lung nicht abschlie­ßend, der im Rah­men der gel­tend gemach­te Bedarf müs­se aber jeden­falls alters­be­dingt sein. Hier­von sei bei für den Besuch des Eltern­gra­bes nicht aus­zu­ge­hen, da die­se Kos­ten auch jun­gen Men­schen mit bereits ver­stor­be­nen Eltern ent­stün­den. Es gebe zudem kei­nen all­ge­mei­nen Erfah­rungs­satz, dass sich mit dem Lebens­al­ter das Bedürf­nis ver­stär­ke, das Grab der Eltern zu besu­chen. Dies dürf­te viel­mehr von alters­un­ab­hän­gi­gen Fak­to­ren wie Reli­gi­on und Ein­stel­lung zum geeig­ne­ten Andenken an ver­stor­be­ne Ange­hö­ri­ge abhän­gen.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 8. März 2013 – L 9 SO 52/​10