Zuständige Behörde

Bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem Zwei­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­bu­ches (SGB II) bestehen geteil­te Zustän­dig­kei­ten. Teil­wei­se ist hier­für die Bun­des­agen­tur für Arbeit (über die ört­li­che Agen­tur für Arbeit) zustän­dig, teil­wei­se der soge­nann­te kom­mu­na­le Trä­ger, also der jewei­li­ge Kreis oder die kreis­freie Stadt.

Arbeitsgemeinschaften

In den meis­ten Krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten fin­det sich ein Zusam­men­schluss der Agen­tu­ren für der Arbeit und des jewei­li­gen kom­mu­na­len Trä­gers im Rah­men einer „Arbeits­ge­mein­schaft”, die nach § 44b SGB II gebil­det wur­de. In den Krei­sen und Städ­ten, in denen eine Arbeits­ge­mein­schaft gebil­det wur­de, ist die­se Arbeits­ge­mein­schaft für alle Fra­gen der Grund­si­che­rung zuständig.

Das der­zei­ti­ge Modell der Arbeits­ge­mein­schaf­ten wur­de aller­dings vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als Ver­stoß gegen die Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes ange­se­hen, da es die Krei­se und Städ­te in ihrem grund­ge­setz­lich garan­tier­ten An­spruch auf ei­gen­ver­ant­wort­li­che Auf­ga­ben­er­le­di­gung ver­letzt. Der Gesetz­ge­ber muss die­ses Modell daher bis spä­tes­tens Ende 2010 reformieren.

Unbe­rührt von der Bil­dung der Arbeits­ge­mein­schaf­ten blei­ben jedoch die Auf­ga­ben der Arbeits­för­de­rung, ins­be­son­de­re der Bera­tung und Ver­mitt­lung, nach dem Drit­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB III), für die aus­schließ­lich die Bun­des­agen­tur für Arbeit zustän­dig bleibt. Die För­der­mög­lich­kei­ten nach dem SGB III sind unab­hän­gig von den Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung nach dem SGB II. Sie kön­nen die­se För­der­mög­lich­kei­ten Ihrer ört­li­chen Agen­tur für Arbeit also unab­hän­gig davon in Anspruch neh­men, ob Sie gleich­zei­tig Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung in Anspruch neh­men oder nicht oder Ihnen die­se (aus wel­chen Grün­den auch immer) ver­sagt wurden.

Optionskommunen

In ins­ge­samt 63 (ehe­ma­li­gen) Land­krei­sen und sechs kreis­frei­en Städ­ten wer­den die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung nach dem SGB II allei­ne vom kom­mu­na­len Trä­ger wahr­ge­nom­men, also vom Kreis oder von der kreis­frei­en Stadt. Die­se ins­ge­samt 69 Städ­te und Krei­se sind damit als „Zuge­las­se­ne kom­mu­na­le Trä­ger” auch für die Wie­der­inte­gra­ti­on in das Arbeits­le­ben zustän­dig. Die­ses Opti­ons­mo­dell, dass im Rah­men der sei­ner­zei­ti­gen Bera­tun­gen über die Hartz-Refor­men ins SGB II auf­ge­nom­men wur­de, ist aller­dings zeit­lich auf sechs Jah­re befris­tet, läuft also Ende 2010 aus.

Wenn Sie also in einer die­ser Land­krei­se oder kreis­frei­en Städ­te leben, ist aus­schließ­lich der Kreis oder die Stadt für die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung verantwortlich.

Getrennte Trägerschaft

Neben dem Regel­fall der Arbeits­ge­mein­schaft von kom­mu­na­len Trä­ger und ört­li­cher Agen­tur für Arbeit sowie den 69 Opti­ons­kom­mu­nen be­steht aber auch in ei­ni­gen Re­gio­nen die Be­son­der­heit, dass sich der je­wei­li­ge kom­mu­na­le Trä­ger und die Agen­tu­ren ent­we­der nicht auf die Bil­dung einer Ar­beits­ge­mein­schaft ge­ei­nigt haben oder aber eine be­ste­hen­de Ar­beits­ge­mein­schaft vom kom­mu­na­len Trä­ger oder der Agen­tur für Ar­beit wie­der auf­ge­kün­digt wurde.

Wenn Sie also in einer die­ser Land­krei­se oder kreis­frei­en Städ­te mit getrenn­ter Auf­ga­ben­wahr­neh­mung leben, sind der kom­mu­na­le Trä­ger und die Agen­tur für Arbeit jeweils für die Ihnen im SGB II zuge­wie­se­nen Leis­tun­gen zustän­dig, Sie sehen sich also in die­sen Regio­nen zwei Behör­den gegenüber:

Zuständigkeit des kommunalen Trägers

Zustän­di­ger kom­mu­na­ler Trä­ger der Leis­tun­gen nach dem SGB II sind die jewei­li­gen kreis­frei­en Städ­ten und die Land­krei­se, § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB II, soweit nicht durch Lan­des­recht ein ande­rer kom­mu­na­ler Trä­ger bestimmt ist. Der kom­mu­na­le Trä­ger ist im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de nach dem SGB II nur für bestimm­te, im SGB II im Ein­zel­nen auf­ge­führ­te Leis­tun­gen zustän­dig. Die­se umfassen:

  1. Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung, § 22 SGB II
  2. Leis­tun­gen, die nicht von der Regel­leis­tung umfasst sind, § 23 Abs. 3 SGB II: 
    1. Erst­aus­stat­tun­gen für die Woh­nung ein­schließ­lich Haushaltsgeräten,
    2. Erst­aus­stat­tun­gen für Beklei­dung und Erst­aus­stat­tun­gen bei Schwan­ger­schaft und Geburt sowie
    3. mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men der schul­recht­li­chen Bestimmungen
  3. Kom­mu­na­le Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen, § 16 a SGB II: 
    1. die Betreu­ung min­der­jäh­ri­ger oder behin­der­ter Kin­der oder die häus­li­che Pfle­ge von Angehörigen,
    2. die Schuld­ner­be­ra­tung,
    3. die psy­cho­so­zia­le Betreuung,
    4. die Sucht­be­ra­tung.

Zuständigkeit der Bundesagentur für Arbeit

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit, bzw. deren ört­li­che Agen­tur für Arbeit, ist für alle ande­ren Leis­tun­gen im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se zustän­dig, § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB II, also für alle Leis­tun­gen, die im Rah­men der Grund­si­che­rung nach dem SGB II nicht aus­drück­lich dem kom­mu­na­len Trä­ger zuge­wie­sen sind. Dies umfasst insbesondere:

  1. Arbeits­lo­sen­geld II, § 19 SGB II, und Sozi­al­geld, § 28 SGB II, 
    1. Regel­leis­tung zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts, § 20 SGB II,
    2. Leis­tun­gen für Mehr­be­dar­fe beim Lebensunterhalt
  2. Befris­te­ter Zuschlag nach dem Bezug von Arbeits­lo­sen­geld, § 24 SGB II,
  3. Zusätz­li­che Leis­tung für die Schu­le, § 24 a SGB II,
  4. Vor­schuss­leis­tun­gen bei medi­zi­ni­scher Reha­bi­li­ta­ti­on, § 25 SGB II
  5. Auf den Arbeits­markt bezo­ge­ne Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit: 
    1. Ein­stiegs­geld, § 16 b SGB II,
    2. Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung von Selb­stän­di­gen, § 16 c SGB II,
    3. Schaf­fung von Arbeits­ge­le­gen­hei­ten („1 € – Jobs”), § 16 d SGB II,
    4. Leis­tun­gen zur Beschäf­ti­gungs­för­de­rung, § 16 e SGB II,
    5. Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Arbeit, § 16 f SGB II,
  6. Leis­tun­gen zur Sozialversicherung: 
    1. Zah­lung der Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, Pfle­ge­ver­si­che­rung und Ren­ten­ver­si­che­rung und in bestimm­ten Fäl­len auch zur Unfall­ver­si­che­rung
    2. Zuschuss zu Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen für nicht Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge, § 26 SGB II

Sie fin­den hier im Hartz­bo­ten eine Lis­te aller Opti­ons­kom­mu­nen sowie eine Lis­te der Regio­nen mit getrenn­ter Auf­ga­ben­wahr­neh­mung. Für die in die­sen Lis­ten nicht auf­ge­führ­ten Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te besteht eine Arbeits­ge­mein­schaft nach § 44 b SGB II.