Business-Kleidung und Friseurbesuche

Für Auf­wen­dun­gen für Busi­ness-Klei­dung und Fri­seur­be­su­che kön­nen kei­ne Abset­zun­gen vom Ein­kom­men vor­ge­nom­men werden.

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te die mit ihrem Sohn in einer Bedarfs­ge­mein­schaft woh­nen­de Klä­ge­rin höhe­res Arbeits­lo­sen­geld II im Zeit­raum vom 1. Juni bis 30. Novem­ber 2008. Sie nahm ab 1. Juni 2008 eine Halb­tags­be­schäf­ti­gung bei der Deut­schen Ver­mö­gens­be­ra­tung AG auf. Der Beklag­te bewil­lig­te unter Anrech­nung des erziel­ten Ein­kom­mens Leis­tun­gen für Juni 2008 in Höhe von 675,89 Euro, für Juli 2008 in Höhe von 107,28 Euro und für August bis Novem­ber 2008 in Höhe von 108,66 Euro. Die Klä­ge­rin wand­te sich gegen die Nicht­be­rück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen für Busi­ness-Klei­dung und Fri­seur­be­su­che als Abzugs­pos­ten vom zu berück­sich­ti­gen­den Ein­kom­men. Ihre Kla­ge und Beru­fung hat­ten kei­nen Erfolg. Die Vor­in­stan­zen haben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es hin­sicht­lich der gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen – unter Berück­sich­ti­gung der steu­er­recht­li­chen Grund­sät­ze – an einer Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit als Wer­bungs­kos­ten fehle.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen bestä­tigt, dass für den Leis­tungs­an­spruch der Klä­ge­rin kein über die zuge­bil­lig­ten Pau­scha­len hin­aus­ge­hen­der Absetz­be­trag für Busi­ness-Klei­dung und Fri­seur­be­su­che in Ansatz gebracht wer­den kann. Grund­sätz­lich ist die für das SGB II maß­ge­ben­de Vor­schrift gegen­über der steu­er­recht­li­chen Rege­lung für die sog Wer­bungs­kos­ten enger, weil nur die mit der Erzie­lung des Ein­kom­mens ver­bun­de­nen not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen, wäh­rend das Steu­er­recht es genü­gen lässt, dass die frag­li­chen Aus­ga­ben durch den Beruf des Steu­er­pflich­ti­gen ver­an­lasst sind. Auf die­ser Grund­la­ge kön­nen die frag­li­chen Auf­wen­dun­gen – ent­spre­chend der Sicht­wei­se im Steu­er­recht – nicht als mit der Erzie­lung des Ein­kom­mens not­wen­dig ver­bun­de­ne Auf­wen­dun­gen aner­kannt wer­den. Hin­sicht­lich der Auf­wen­dun­gen für Beklei­dung gilt, dass nur die typi­sche Berufs­klei­dung als Abzugs­pos­ten berück­sich­ti­gungs­fä­hig ist. Merk­mal der typi­schen Berufs­klei­dung ist ent­we­der ihre Unter­schei­dungs­funk­ti­on oder ihre Schutz­funk­ti­on. Bei­de Funk­tio­nen tref­fen auf die Busi­ness-Klei­dung nicht zu. Im Ergeb­nis nichts ande­res gilt hin­sicht­lich der Auf­wen­dun­gen für Fri­seur­be­su­che, denn hier­bei han­delt es sich um sog gemisch­te Auf­wen­dun­gen, die zugleich dem pri­va­ten und beruf­li­chen Lebens­be­reich zuge­ord­net wer­den kön­nen und grund­sätz­lich durch die Regel­leis­tung abge­deckt werden.

Eine über die steu­er­recht­li­chen Grund­sät­ze hin­aus­ge­hen­de Berück­sich­ti­gung von Auf­wen­dun­gen ist aller­dings nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts gebo­ten, wenn die­ses durch das zen­tra­le Anlie­gen des SGB II, den erwerbs­fä­hi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten bei der Auf­nah­me oder Bei­be­hal­tung einer Erwerbs­tä­tig­keit zu unter­stüt­zen, gefor­dert wird. Inso­weit war hier aber zu berück­sich­ti­gen, dass für die von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich die Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen des SGB II zur Ver­fü­gung ste­hen. Ob der Klä­ge­rin inso­weit ein wei­ter­ge­hen­der Leis­tungs­an­spruch zusteht, konn­te der Senat schon in Erman­ge­lung einer Ver­wal­tungs­ent­schei­dung des Beklag­ten nicht entscheiden.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 19. Juni 2012 – B 4 AS 163/​11 R